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Im folgenden stelle ich kurz meine astronomische Ausrüstung und meine ganz persönlichen, praktischen
Erfahrungen damit vor. Die Abbildungen lassen sich durch Anklicken vergrößern.
Teleskop und Montierung
Jedes Teleskop benötigt ein Stativ. Ich habe mich für ein transportables Berlebach-Holzstativ
entschieden, das mit eingefahrenen Beinen eine Höhe von etwa 80 cm besitzt. Mit ganz ausgezogenen Beinen
ist das Stativ ca. 1,20 m hoch, ohne dass die Stabilität deutlich abnimmt. Das Stativ besitzt eine Aufnahmeplatte
für die Vixen-GP-Montierungen und einen Dreiecksboden. Es ist zusammenklappbar und leicht, damit also ohne weiteres
transportabel.
Die Montierung verbindet das Stativ mit dem Teleskop und sorgt für dessen Beweglichkeit. Meine Montierung
Vixen Great Polaris (GP) DX ist in ihrer Bauart eine Deutsche Montierung und kann auf die jeweilige geografische
Breite und Länge eingestellt werden.
Die Auf- und Einstellung der Montierung wird durch das eingebaute Polsucherfernrohr gegenüber der Justage
nach Scheiner erheblich beschleunigt. Der Polsucher ist ein kleines Fernrohr, das in die Stundenachse der Montierung
eingebaut ist. Bei korrekt ausgerichteter Montierung schaut man mit ihm exakt zum Himmelsnord- bzw. Südpol. Eine Bohrung in der
Deklinationsachse sorgt für freien Durchblick. Zur Einstellung der Montierung dienen Sterne in der Nähe des jeweiligen
Himmelspoles. Auf der Nordhalbkugel der Erde ist dies der bekannte Polarstern. Da er nicht ganz exakt am Himmelsnordpol
steht, sondern mit der Tagesrotation der Erde in geringem Abstand um ihn kreist, stellt man am Polsucher die
Längendifferenz zum Zonenmeridian sowie Datum und Zonenzeit (bei uns MEZ) ein. Durch Schwenken der Montierung wird dann
der Polarstern in die Markierung auf der beleuchteten Skalenscheibe des Polsucherfernrohrs bewegt. Damit ist die Montierung
ausreichend präzise jusitiert und erlaubt auch lange Beobachtungen bei hoher Vergrößerung ohne
dass das Beobachtungsobjekt aus dem Gesichtsfeld wandert.
Der Einstellvorgang mit dem Polsucher dauert nur wenige Minuten und ist damit eine enorme Erleichterung der Beobachtung
mit transportablem Gerät.
Die Bewegung des Teleskops erfolgt in zwei getrennten Achsen. Die Stundenachse bewegt das Fernrohr parallel zum Erdäquator.
Diese Bewegung muss während der Beobachtung von Himmelskörpern stetig ausgeführt werden, da sonst
wegen der täglichen Erdrotation die Beobachtungsobjekte stetig aus dem Gesichtsfeld laufen würden.
Für Komfort sorgt eine automatische Nachführung des Teleskops, weshalb die GP-DX-Montierung in dieser Stundenachse
über einen motorischen Antrieb verfügt.
In der zweiten, der Deklinationsachse wird das Teleskop nur geschwenkt, wenn ein anderes Himmelsobjekt zur Beobachtung aufgesucht
wird. Auch dafür ist eine motorische Bewegung der Montierung hilfreich, wenn auch nicht unbedingt erforderlich.
Ich habe auch den Deklinationsmotor an meiner GP-DX montiert und somit einen motorischen Antrieb in beiden Achsen.
Das damit entstehende Problem ist die Stromversorgung der beiden Schrittmotoren. Da die Motoren der GP-DX über ein
Sinus II-Steuergerät mit 12V-Anschluss betrieben werden, reicht glücklicherweise eine handliche 12V-Starterbatterie
(700 mAh) aus. Mit ihr können einige Tage Beobachtungsbetrieb ohne Laden bestritten werden.
Das wichtigste an einem Fernrohr ist natürlich das Teleskop selbst. Mein Hauptgerät ist ein ED-Apo-Refraktor
von BORG,
in dem also eine Linsenkombination für die Lichtbündelung sorgt. Wichtige Daten sind die Brennweite von 1000 mm
und die Öffnung von 125 mm (5"). Besonderes Merkmal des Refraktors ist sein sehr geringer Farbfehler und
seine sehr gute Schärfe, beides entsteht durch die Verwendung eines Spezialglases für eine der Objektivlinsen.
Man bezeichnet diese Objektive als ED-Apochomaten (im Gegensatz zu den Achromaten, die einen größeren Farbfehler
aufweisen).
Für mich ist der 5"-ED-Apo von BORG ein optimaler Kompromiss aus Bildqualität, Gewicht, Größe
und Ortsunabhängigkeit. Er wiegt samt Rohr und Fokussierungsauszug nur wenig mehr als 5 kg. Der Original-Okularauszug wurde
gegen einen stabileren Meade-2"-Auszug ausgetauscht und zwischen den Rohrschellen wurde ein abnehmbarer Celestron-Sucher
9x50 nachgerüstet. Okularseitig stehen verschiedene 1.25"-Okulare einschließlich eines beleuchteten
Fadenkreuzokulars zur Verfügung, ergänzt durch einen 2"-Zenitspiegel und ein 2"-Weitwinkel-Okular
(Erfle 32mm). Bei Sonnenbeobachtungen verwende ich Filterfolie, die in einer Pappumfassung in die Taukappe geschraubt werden kann.
Die Beobachtung mit diesem Refraktor ist ein wirklicher Genuss, selbst bei nicht optimalem Seeing.
Sonne-, Mond- und Planeten-Aufnahmen mit der Webcam
Neben der visuellen Beobachtung am Refraktor ist auch die Fotografie ein lohnendes Betätigungsfeld.
An der Deklinationsachse kann eine Kleinbildkamera für Sternfeldaufnahmen befestigt werden. Durch das Teleskop
sind fotografische Aufnahmen fokal oder in Okularprojektion ohne Probleme möglich.
Für hellere Objekte wie Sonne, Mond und Planeten ist die Webcam eine interessante Alternative zum fotografischen
Film. Durch die Möglichkeit, von dem Beobachtungsobjekt ein Video aufzuzeichnen und anschließend nachzubearbeiten,
können viel feinere Details erkannt werden als auf fotografischem Wege. Zudem lassen sich so die Beobachtungsergebnisse rasch
und ohne großen Aufwand gewinnen.
Ich verwende eine Philips-Webcam PCVC 740k ToUCam Pro, in der das Objektiv gegen einen Teleskop-Adapter (1.25") ersetzt wurde.
In diesen wird zur Wahrung der Schärfe ein IR-Sperrfilter geschraubt. Bleiben Adapter und IR-Filter an der Webcam, wird
der Chip recht gut vor Staub geschützt. Hin und wieder ist aber trotzdem eine Reinigung erforderlich, da sich
Staubkörnchen gerade bei Aufnahmen mit langen Äquivalentbrennweiten deutlich als dunkle Flecken in den
Aufnahmen wiederfinden. Bei Aufnahmen in Okularprojektion ist ein 1.25"-T2-Adapter zum Anschluss der Webcam an das Teleskop
sehr hilfreich (siehe Abb.).
Zur Aufnahme und späteren Weiterbearbeitung
der Webcam-Videos dient ein Notebook-Computer, an den die Webcam per USB-Kabel angeschlossen wird. Für astronomische Aufnahmen
extrem wichtig ist eine manuelle Einstellung der Kameraparameter (Belichtungszeit pro Teilbild, Verstärkung, Farbabgleich).
Für einige Webcams existiert modifizierte Firmware, bei der die Webcam in unterschiedlichem Umfang an die Astroanwendung
angepasst wird, bis hin zum RAW-Betrieb.
Zur Nachbearbeitung der Videos und Summenbilder arbeite ich mit
K3CCD Tools 2.
Deep-Sky Aufnahmen mit digitalen Spiegelreflexkameras
Digitale Spiegelreflexkameras eignen sich durchaus für die
Astrofotografie, sie sind letztlich nichts anderes als
ungekühlte Dreifarb-CCD- bzw. -CMOS-Sensoren.
Gegenüber speziellen CCD-Kameras für Astrozwecke rauschen sie zwar deutlich stärker,
sind aber transportabel, unabhängig von externer
Stromversorgung oder PC, und (angesichts des Anschaffungspreises nicht unwichtig)
uneingeschränkt für die "Tagesfotografie" einsetzbar.
Ich selbst verwende für die Astrofotografie derzeit die Nikon D300 (früher die D70, D50 und D200).
Die Rohbilder verarbeite ich anschließend
z.B. mit Astroart
oder K3CCD Tools
weiter.
Wichtig ist es, in jeder Beobachtungsnacht je mindestens eine Serie
von Offset-, Flatfield- und Dark-Aufnahmen anzufertigen, da das
Rauschverhalten der digitalen Kameras stark temperaturabhängig ist.
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