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Partielle Sonnenfinsternis am 31. Mai 2003

Steinernes Meer von Saalfelden Sonnenfinsternisse sind selten und meist von Europa auch nicht beobachtbar. Also wollte ich mir das Ereignis am 31. Mai 2003 nicht entgehen lassen, zumal die maximale Verfinsterung in Deutschland etwa mit dem Sonnenaufgang zusammenfiel. Man sollte also eine aufgehende Sonnensichel beobachten können, eine reizvolles und interessantes Naturschauspiel.
Eine Umgebung mit interessantem Horizont und morgens oft gutem Wetter in erreichbarer Entfernung bieten die Alpen, insbesondere die höhergelegenen Gipfel mit weiter Rundumsicht. In Anbetracht des Instrumentariums kamen nur an Straßen liegende Ziele in Frage. Ich entschied mich für die Edelweißspitze an der Großglockner-Hochalpenstraße, die per Auto erreichbar ist und in 2571 m ü.NN. eine wunderbare Rundumsicht und im Osten einen tiefen Horizont bietet. Einen Tag am Großglockner sollte man gut nutzen, nicht zuletzt wegen der Mautgebühr der Hochalpenstraße (26 EUR). Das Wetter sah in den Mittagsstunden prächtig aus, von den angekündigten Wärmegewittern war bei der Anfahrt über Chiemgau, Berchtesgadener Land und Pinzgau noch nicht viel zu sehen (Bild rechts: Steinernes Meer aus Richtung Saalfelden).

 

Thomas beim Fotografieren Auf der Großglockner-Hochalpenstraße legt man eine Höhendifferenz von ca. 2000 m zurück und durchquert dabei zahlreiche Vegetationszonen. Während im unteren Drittel bei knapp 30 Grad die Wiesen in verschwenderischen Farben blühten, dominierten zwischen 1500 m und 2000 m u.a. die weißen Gletscheranemonen und Alpenküchenschellen, Trollblumen, Frühlings- und Stengelloser Enzian und auf geschützen Wiesen erste Knabenkräuter und Händelwurz. Oberhalb von 2000 m waren die meisten Flächen meterhoch verschneit, nur wo der Schnee bereits geschmolzen war wagten sich Troddelblumen, Krokusse und Schlüsselblumen heraus. Meine bevorzugte Haltung angesichts dieser Naturschönheiten zeigt das Bild rechts… Die Ausblicke an den zahlreichen Aussichtspunkten der Hochalpenstraße waren einzigartig, man überblickt zahlreiche Gipfel, Gletscher und tiefe Schluchten des Nationalparks Hohe Tauern.

 

Gewitterwolke Leider hielt der Abend in Bezug auf das Wetter nicht, was der Nachmittag versprochen hatte. Es bauten sich gewaltige Cumulonimbus-Wolken auf, deren Eiskappen teils den halben Himmel bedeckten (Bild links). Kurz nachdem ich gegen 19 Uhr auf der Edelweißspitze, dem höchsten Punkt der Hochalpenstraße angekommen war, gingen die Gewitter auch schon los. Mit dem Temperatursturz einher gingen Hagel- und Schneefall, viele der umliegenden Hänge waren am folgenden Morgen noch wie weiß überzuckert. Die Gewitter rumorten in allen Richtungen bis weit nach Mitternacht. So konnte ich den Schlaf"komfort" im Auto genießen und ein wenig ruhen.

 

 

 

Mars Venus Die ersten Wolkenlücken zeigten eine helle und kontrastreiche Sommermilchstraße bis hinunter zu Schütze und Skorpion. Für die Astrofotografie störten jedoch leider die immer wieder durchziehenden Wolken, die durch entfernte Blitze angeleuchtet wurden.
Doch mit Beginn der Dämmerung erreichte der Planet Mars eine ausreichende Höhe zur Beobachtung, wegen durchziehender Wolken war das seeing jedoch schlecht. Visuell waren dunkle Oberflächenstrukturen und etwas weniger kontrastreich die südliche Polkappe zu erkennen. Besonders fiel die jetzt zum Beginn der Sichtbarkeitsperiode noch deutliche Phase des Planeten auf. Im Gegensatz zum visuellen Eindruck zeigt die Aufnahme per Webcam und Okularprojektion die südliche Polkappe kontrastreicher als die Strukturen der Marsoberfläche (Bild links).
Später kam im Nordosten tief am Horizont Venus herauf (Bild rechts). Der Versuch den Planeten mit der Webcam abzubilden brach ich jedoch rasch ab, da das Bild im wesentlichen das atmosphärische Spektrum von rot nach blau zeigte. Venus stand einfach zu tief für ein Foto.

 

Vor Sonnenaufgang Mit dem fortschreitenden Morgengrauen bevölkerte sich der Gipfel der Edelweißspitze mit Schaulustigen, die das frühe Aufstehen nicht gescheut hatten. Die Information durch Radio und Fernsehen sowie der günstige Zeitpunkt der Finsternis am Samstagmorgen eines verlängerten Wochenendes hatten also gut gewirkt.
Kurz nach 5 Uhr starrten alle mit mitgebrachten Optiken oder freiem Auge nach Nordosten auf den Bergkamm, hinter dem die Sonne auftauchen würde (Stimmung vor Sonnenaufgang und Beobachtungsinstrumente auf dem Foto links). Der Aufgang der verfinsterten Sonne begann mit dem Aufleuchten eines hellen Lichtpunktes, es war das Ende der östlichen "Hörnerspitze". Sie stieg rasch höher und wurde zu einem leuchtenden Dorn, der aus der Bergkette am Horizont zu kommen schien. Nun musste die westliche Teil der Sichel aufgehen, doch zuerst flammten einzelne Lichtpunkte in den Tälern der Bergkette am Horizont auf. Sie wirkten wie eine Perlenkette aus funkelnden Lichtpunkten - ein wunderschöner Anblick. Nach und nach vereinigten sich die Lichtpunkte zu einer durchgehenden Sonnensichel, die kurz darauf vollständig am Himmel stand.

 

 

Reihenaufnahme 1 der Sonnenfinsternis Reihenaufnahme 2 der Sonnenfinsternis Reihenaufnahme 3 der Sonnenfinsternis
Reihenaufnahme 4 der Sonnenfinsternis Reihenaufnahme 5 der Sonnenfinsternis Reihenaufnahme 6 der Sonnenfinsternis
Reihenaufnahme 7 der Sonnenfinsternis Reihenaufnahme 8 der Sonnenfinsternis Reihenaufnahme 9 der Sonnenfinsternis
Reihenaufnahme 10 der Sonnenfinsternis Reihenaufnahme 11 der Sonnenfinsternis

Aufgang der verfinsterten Sonne, aufgenommen mit Refraktor Borg ED-Apo 125/1000 fokal auf Fuji Provia 100F
Letzte Aufnahme links mit Sigma Apo-Tele 4.5-5.6/135-400.

 

Nach Sonnenaufgang Sonne mit Fleck Die Helligkeit der Dämmerung und Beleuchtung der Umgebung unterschieden sich subjektiv nicht von der Situation bei einem gewöhnlichen Sonnenaufgang.
Nach Aufgang der Sonne musste am Refraktor praktisch sofort das Sonnenfilter eingesetzt werden, da die Atmoshpäre selbst in unmittelbarer Horizontnähe sehr transparent war. Das seeing war anfangs schlecht, wurde aber rasch besser. Anhand der großen Fleckengruppe im unverfinsterten Teil der Sonne ließ sich die Bewegung des Mondes direkt verfolgen.

 

 

 

Edelweissspitze Edelweisshaus Das Interesse der Schaulustigen blieb lange ungebrochen, schließlich konnte man das Erwachen einer gewaltigen Bergwelt ringsum miterleben. Einzig der Wirt der Edelweißhütte hatte dazu eine Alternative anzubieten (Foto rechts)…