Sonntag, 29. Januar 2012Milchstraße(n) und Zodiakallicht(er) über der Caldera de Taburiente, La Palma.
Die Winternächte im Januar und Februar bieten auf La Palma zwei Höhepunkte für die Deep-Sky-Fotografie mit kurzen Brennweiten: die Wintermilchstraße in der ersten Nachthälfte und der Aufgang der Sommermilchstraße am Morgenhimmel. Beide kombinieren sich zudem in reizvollen Konstellationen mit den verschiedenen Abschnitten des Zodiakallichts. So machte ich mich in der Nacht 28./29. Januar 2012 daran, diese Motive zu beobachten und zu fotografieren. Der zunehmende Mond unterstützte die Fotos in den Abendstunden, indem er die Landschaft und Wolken von oben beleuchtet (leider erhellt er auch den Himmelshintergrund - trotz klarer und trockener Luft).
In den unteren Lagen des Inselwestens hatte es den ganzen Nachmittag geregnet - ein selbst im Januar nicht häufiges Ereignis. Bei der Auffahrt zum Observatoriumsgelände und Kraterrand über die steilen Bergstraßen war Vorsicht nötig - die Luft war frostig und dies führte stellenweise zu Glatteis. Oben angekommen, war die Luft zwar ebenso kalt - aber trocken. So ließ sich selbst ein leichter Wind gut ertragen. Erstes Ziel war der Kraterrand der Caldera de Taburiente. Hier ermöglicht der Mirador de los Andenes (Aussichtspunkt) einen spektakulären Blick über die Caldera und tiefere Lagen im Norden und Süden. Die Kombination von winterlicher Milchstraße, Wolken und Mondlicht schuf einmalige Anblicke. Die Wolken füllten die Caldera mal ganz aus, mal lösten sie sich teilweise wieder auf. Von unten durch die Ortschaften um Los Llanos, und von oben durch den Mond beleuchtet, veränderten sie das Aussehen der Landschaft kontinuierlich. Die für mich ungewohnten Sterne unterhalb des Sternbilds Großer Hund gehören zu Puppis ("Achterschiff"), dessen Hauptstern Canopus dem hellen Sirus in seiner Helligkeit Konkurrenz zu machen scheint. Das Mondlicht erhellte auch die Wolken im Norden der Insel. Und auch hier leuchteten die Ortschaften die Wolkenschicht von unten an - darüber war der Himmel ganz klar. Interessant im Vergleicht zu Mitteleuropa ist der tief stehende Polarstern. Sternbilder wie Kassiopeia oder der Große Wagen gehen auf La Palma auf und unter - bei uns sind sie hingegen zirkumpolar. Nach dem Monduntergang konnte die "richtige" Fotografie von Deep-Sky-Objekten beginnen. Besonders interessant ist auf La Palma die Beobachtung großflächiger und kontrastschwacher Objekte, die anderswo von der Lichtverschmutzung überstrahlt werden. Neben der Fotografie von Dunkelnebeln widmete ich mich deshalb auch dem Zodiakallicht. In Mitteleuropa vielen unbekannt, ist es in südlicheren Breiten unverkennbar. Helle Kegel erhellen den Westhimmel nach bzw. den Osthimmel vor Sonnenaufgang - sie bestehen aus gestreutem Sonnenlicht in der Ebene des Tierkreises. Viel lichtschwächer, aber dennoch fotografisch gut dokumentierbar, ist der Zodiakalbogen. Dieser umspannt als diffuser Bogen den gesamten Tierkreis. Genau gegenüber der Sonne befindet sich der Gegenschein. Um Mitternacht Ortszeit passiert er den Meridian. Die Fischaugen-Aufnahme zeigt diesen Zeitpunkt, zu dem sich Milchstraße und Zodiakalbogen fast zu kreuzen scheinen. Der Gegenschein ist jedoch durch die Nähe zur Milchstraße noch nicht eindeutig erkennbar, obwohl sich im Zenit eine diffuse hellere Zone erkennen lässt. Besser abgegrenzt kann man den Gegenschein besser im Herbst oder Frühling aufnehmen wenn er fernab der Milchstraße steht. Interessant sind die Helligkeitsunterschiede: der Zodiakalbogen ist selbst im Vergleich zur nicht sehr hellen Wintermilchstraße deutlich schwächer. Dies erklärt, warum er visuell für mich gar nicht erkennbar war. Das Ende der Nacht hielt dann mehrere Besonderheiten bereit. Zunächst kulminierte ca. 2 Stunden vor Sonnenaufgang das Kreuz des Südens. Theoretisch sollte es zwar auf den Kanaren nicht vollständig sichtbar sein, doch sorgen Refraktion in der Atmosphäre und der hohe Standort am Kraterrand dafür dass das markante Sternbild in der Praxis doch kurzzeitig komplett am Himmel erscheint. Hohe Wolken ganz in Horizontnähe verhinderten diesmal leider diesen Anblick - es war nur der nördliche Stern Gamma des Kreuzes über dem Wolkenband sichtbar. Gleichzeitig ging im Osten die Sommermilchstraße auf. Durch die geringe Distanz zur Dämmerung war es spannend, ob und wie gut man die Milchstraße so horizontnah überhaupt würde sehen können. Das Ergebnis übertraf meine Erwartungen: selbst direkt am Horizont erschien die Milchstraße in den Sternbildern Schwan bis Skorpion und Schütze kontrastreich und hell, und kombinierte mit dem hellen Kegel des Zodiakallichts im Osten und mit dem Wolkenfall über dem Rand der Caldera zu einem unvergesslichen Anblick. Eine Aufnahmeserie mit einem 180°-Fischaugenobjektiv repräsentiert jeweils den gesamten Himmel. Innerhalb von nur 10 Minuten zeigen die Fotos zuerst wenig, dann deutlich erkennbare Dämmerung. Milchstraße und Zodiakallicht verblassten bei zunehmender Dämmerung, blieben bis ca. 1 Stunde vor Sonnenaufgang jedoch gut sichtbar. Wenig später endete eine sehr eindrucksvolle Beobachtungsnacht in den größten Höhen La Palmas, und die Sonne ging unweit des Teide (Teneriffa) auf. Donnerstag, 26. Januar 2012Mond und Venus gemeinsam am Abendhimmel
Für den zweiten Abend der Konstellation von Venus und Mondsichel hatte ich die höchste Gegend La Palmas als Beobachtungsort gewählt: das Observatorium am Roque de los Muchachos. Das Areal bietet nicht nur einen tollen Beobachtungsort über der Passatwolkenschicht, sondern auch eine 360°-Rundumsicht. Je nachdem wo man sich befindet, schaut man in einigen Himmelsrichtungen sogar unter den Horizont und auf das Meer. Nach der Beobachtung des Sonnenuntergangs am Teide (Teneriffa) an der Ostseite der Caldera wechselte ich daher zur Westseite. Unterwegs gab es einen wunderbaren Blick auf die wolkengefüllte Caldera, darüber standen Venus und Mond über dem Roque de los Muchachos. Am Beobachtungsplatz nahe des Observatoriums reichte der Blick nun im Westen bis auf den Ozean hinaus. Schon eine Stunde nach Sonnenuntergang waren Milchstraße und Zodiakallicht gut zu erkennen. Im Zodiakallichtkegel standen Venus und Mond, darüber Jupiter. Unter dem Horizont, auf dem Atlantik, spiegelte sich das Mondlicht.
Besonders gespannt war ich auf den Untergang von Venus und Mond. Würde die Venus bis zum Eintauchen ins Meer erkennbar bleiben? Würde das aschgraue Mondlicht noch sichtbar sein, wenn die Sichel des Mondes schon untergegangen ist? Je tiefer die Konstellation sank, desto mehr lösten sich die Wolken über dem Meer auf. Es blieben nur wenige, kleine Wolkenbänke übrig. Lediglich an der Küste trieben einige dichte Wolken entlang und wurden von den kleinen Ortschaften von unten angeleuchtet. Zuerst ging die Venus unter. Sie verschwand weit unter dem mathematischen Horizont und tauchte in eine der kleinen Wolken über dem Meer ein. Der Mond folgte einige Minuten später. Es schien, als ob die Mondsichel wie ein Boot auf dem Ozean schwimmen würde. Als der größte Teil der Mondsichel schon untergegangen war, blieben noch die Sichelspitzen und der aschgraue Teil des Mondes sichtbar. Mit dem bloßen Auge war dies nur schwach erkennbar, deutlich besser jedoch mit dem Fernglas. Mittwoch, 25. Januar 2012Venus und Mondsichel im abendlichen ZodiakallichtJanuarsonne auf den Kanaren
Urlaub auf den kanarischen Inseln - gerade in diesem feuchten Januar ist dies eine verlockende Aussicht. Perfekt ist es, wenn sich eine Dienstreise nach Teneriffa mit einer Woche Urlaub auf La Palma verbinden lässt. Da dies auch noch in die Woche nach Neumond fiel, wird auch die Astronomie in dieser Woche nicht zu kurz kommen. Die Ferien begannen mit der Überfahrt in der Schnellfähre von Los Christianos, Teneriffa über La Gomera nach Santa Cruz de La Palma. Kurz vor Beginn der Fahrt ging die Sonne strahlend über dem Atlantik und über einer anderen Fähre unter. Die See war recht ruhig und die Fähre war fast leer. Der Komfort der Fähre ist beachtlich: bequeme Sessel, Buffet mit freundlichen Preisen, kostenloses WLAN-Internet. So reist man gern. Der Morgen im Hotel nahe Santa Cruz bot gleich die nächste Foto-Gelegenheit: die Sonne ging genau hinter dem Teide auf Teneriffa auf, ein wunderbares Schauspiel!
Doch das eigentliche Ziel auf La Palma liegt im Westen und ist von Santa Cruz mit einer zweistündigen Autofahrt erreichbar. Die Hacienda La Palma liegt oberhalb von Puntagorda in ca. 1300m Höhe. Der Blick reicht im Westen über das Meer, während im Osten die steilen Hänge des alten Kraters Caldera de Taburiente aufsteigen. Die Temperaturen sind hier oben zwar deutlich kühler als am Meer (heute ca. 12° ), aber die Umgebung der Ferienhäuser ist wunderbar. Blumen und Mandelbäume blühen, Himmel und Meer sind tiefblau. Über dem Meer liegt die Passatwolkenschicht, und über die Caldera treiben einige Quellwolken. Beste Voraussetzungen für eine schöne Urlaubszeit und sternklare Nächte! Dienstag, 3. Januar 2012Halbmond "in Farbe"
Der hoch am Himmel stehende Januarmond wird zum Vollmond auch als "Wolfsmond" bezeichnet. Bis dahin dauert es noch einige Tage, doch auch heute abend strahlte der zunehmende, etwas mehr als halbe Mond hoch am klaren Himmel. Neben dem Mond leuchtete der helle Jupiter. Die Fotos am Refraktor dokumentieren das gute Seeing, das auf meiner "Balkonsternwarte" herrschte.
Aufschlussreich ist der Vergleich des Mondfotos mit den üblichen Einstellungen der Bildverarbeitung (links) mit einer stark farbverstärkten Version (rechts). Dabei wird sichtbar, dass der Mondboden nicht einförmig grau ist. Vielmehr weist das Gestein bräunliche und bläuliche Töne auf, die wissenschaftlich mit unterschiedlichen Metallgehalten erklärt werden. Besonders ausgeprägt ist der Farbunterschied zwischen Mare Tranqullitatis und Mare Serenitatis (letzteres braun mit bläulichem Ring, der aus dem Mare Tranqullitatis herausgelaufen zu sein scheint).
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